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Review: Horos Meteoros at Silent Green

“HOROS METEOROS”
28.-29.08.2018, Silent Green, Berlin

Bittere Leisigkeit: Jakob Ullmanns „Horos Metéoros“ in Berlin (Auszüge)

Eine Oper ohne Szene, eine Oper ohne Musikerinnen – die Bühne leer, die Musikerinnen absent, wie soll das gehen? Kann das einen Sinn ergeben? Es kann. Man muss nur dieser an sich absurden Situation den entsprechenden Stoff vorlagern. […] 

Kann man das alles wohl erahnen und erfühlen, wenn man den antiken Urgrund des Theaterproblems hier nicht kennt? Erhören kann man ihn ja doch nicht mit Sinne von sprachlich Verstehen. Bleibt am Ende nicht vielmehr ein Gefühl des absolut Diffusen übrig, das sich bei jedem anders äußern kann und das man beim ersten Zuhören kaum ausdifferenzieren kann. Man weiß es einfach nicht. Wäre dies die Absicht, handelte es schließlich auch nur um ein Stück, das einer Überwältigungsstrategie folgt. Dagegen spricht aber die ganze Faktur des Stücks. Es wäre dann aber nicht nur in Paradoxien zu fassen, sondern tatsächlich (streng) dialektisch: Präsenz und Absenz, Bewegung und Statik, Dauer und Zeitstille, Leere und Fülle, Ausdruckslosigkeit und Emotion, Ton und Stille, Licht und Dunkel, Innen und Außen, Frei- und Aufklang. Das alles erfüllt auch den musikalischen Topos „Oper“ – aber wie. Aber es spielt längst keine Rolle mehr. Ein Schritt nach draußen belehrt einen sofort über Härten der Jetztzeit, über die Gegenwart, die man mit seiner Existenz beantworten muss (oder es immer auch zugleich tut). Die Ferne des dramatischen Fragments von Ullmann bricht ein Stück aus dem Leben heraus, fast sehnsüchtig machend und gleichwohl existenzpräzisierend. Keine Etüde, bittere politische Erkenntnismusik.

– Martin Hufner, Neue Musik Zeitung, 29.08.2018

 https://www.nmz.de/online/bittere-leisigkeit-jakob-ullmanns-horos-meteoros-in-berlin 

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Review: Arbeiten with Poing & Maja Ratkje: “Cross Under”

“ARBEITEN KANNSTE MORGEN!”
01.06.2017, Wabe, Berlin

„Cross under – Solistenensemble PHØNIX16 feat. Maja S. K. Ratkje, POING in der Wabe Berlin (Auszug)

Das Solistenensemble PHØNIX16 startete sein vierteiliges Programm am 1. Juni unter dem Titel „Arbeiten kannste morgen!“ und steckte dabei ein Konzertereignis ab, das vom russischen Futurismus bis zum theatralen, videovisuellen Konzertstück von Timo Kreuser („Ein Regime“ UA) reichte. Das Publikum ist gemischt. Es gelingt! […] 

Kein Anlass zur Beruhigung. Das Konzert aus der Dramaturgie des Solistenensembles PHØNIX16 gibt gute Gründe vor, warum solche Konzerte sein müssen. Sie erzeugen Zusammenhänge, die Stücke bespiegeln sich gegenseitig. Man kann von verschiedenen Seiten zugreifen auf das, was da passiert. Es werden die Teile unter der Hand zusammengebunden – und da wird es immer so sein, dass dem einen dies und dem anderen das gefällt und den einen alles und den anderen nichts fehlt.

[…] Kurz: Beim Solistenensemble PHØNIX16 kannste ins Konzert gehen (!) und dich überraschen lassen.“

– Martin Hufner, Neue Musikzeitung, 02.06.2017                 

https://www.nmz.de/online/cross-under-solistenensemble-phonix16-feat-maja-s-k-ratkje-poing-in-der-wabe-berlin

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Review of PHØNIX16 at Ultraschall in nmz

Click here to read the entire article about Ultraschall in nmz, by Isabel Herzfeld. The article is in the March 2017 (66. Jahrgang) print edition of the Neue Musik Zeitung.

Stimme der Musik

Politisch gab sich auch der Abend des jungen Vokalensembles Phønix16: „Balkanroute“ war ein Programm mit Musik aus der Türkei, Griechenland, Serbien, Kroatien und Slowenien überschrieben, nicht als „klingender Kommentar zu den politischen Ereignissen“ der letzten zwei Jahre, wie Ensembleleiter Timo Kreuser meinte, sondern eher als Beispiel verlorener Möglichkeiten, die es vor diesen Verwerfungen gab, in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Elektronische Werke von Ílhan Mimaroglu, Radan Radovanovic und Ivo Malec aus Studios in Belgrad, Warschau und Budapest – wobei der letzte Schliff auch mal vom IRCAM Paris kommen konnte – verblüffen durch Klangfantasie und vitale Erfindung in oft rauherem technischen Gewand, reizvoll gegenüber viel glatteren heutigen Produktionen. Vokalkompositionen von Iannis Xenakis, Ivo Malec und Branimir Sakac wirken in der Kraft von zwölf Stimmen fast körperlich bedrängend – Xenakis setzt sich explizit mit Folter und Diktatur auseinander – und klingen zugleich nach osteuropäischem Marktplatz, nach lebenslus­tigem Kräftemessen und Widerstandsgeist. Immer wieder treten individuelle Stimmfarben aus dem Kollektiv hervor. Sie münden in Vinko Globokars „Airs de voyage vers l’interieur“ von 1978, die sich mit Klarinette und Posaune in stärkerer Geräuschhaftigkeit vereinen und einen veritablen Rundtanz heraufbeschwören – im Publikum, nicht auf der Bühne. „Inwendige Reiselieder“ kann man wahrhaftig wieder gebrauchen, gegen die innere Angst. Ein „stimmiges“ Programm, das unbegreiflicherweise Mut machte.